Datendiebe verschaffen sich Zugang zu Firmennetzwerken

Unsere Computersysteme sind der ständigen Bedrohung von Datenklau ausgesetzt. Dass diese Sachlage vor allem für Firmen eine grosse Gefahr darstellt, zeigt ein aktueller Fall aus Deutschland.

Sachverhalt
Auf einer Messe in München stellt der Plattenspielerhersteller Clearaudio seine neuste Entwicklung vor. Ein Plattenspieler mit einem Magnetlager mit dessen Hilfe sich die Platten vibrationsfrei abspielen lassen. Durch diese Magnetlager erzeugt das Gerät einen besseren Klang.
Die Entwicklung dieser Plattenspieler hat zwei Jahre in Anspruch genommen. Die Plattenspieler wurden erst kürzlich patentiert und kosten ca. 2500 Euro pro Stück.
Der Chef der Firma Clearaudio entdeckte auf der Messe einen chinesischen Aussteller, der genau den gleichen Plattenspieler, wie Clearaudio verkaufte. Daraufhin schleuste der Chef einen Spion in den Versand der chinesischen Firma ein. Der eingeschleuste Mitarbeiter fand die Containernummer für die Fracht nach Deutschland heraus und der Hamburger Zoll beschlagnahmt und zerstört die Fälschungen sogleich nach der Ankunft.
Der Chef von Clearaudio vermutet, dass der chinesische Hersteller mit Hilfe von Schadsoftware das Computersystem von Clearaudio ausgespäht hat.

Problem
Mathilde Koller, Leiterin des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen weist daraufhin, dass die meisten mittelständischen Unternehmen sich der Bedrohung durch Datendiebstahl gar nicht bewusst seien. Viele KMU’s wägen sich in der Sicherheit, da sie annehmen, dass hauptsächlich grosse Unternehmen wie Siemens, BMW etc. von Technologiediebstahl betroffen sind. Jedoch seien 96 Prozent der Fälle kleine und mittlere Betriebe das Ziel von Spionageattacken, so Verfassungsschutz-Chefin Mathilde Koller.
Die Datendiebe interessieren sich besonders für Artikel die in Forschung und Entwicklung teuer sind: Patente, Baupläne und Designideen. Daher ist der Datenklau für KMU’s besonders gefährlich, da ihr Erfolg meistens nur auf einem Patent beruht. Wird diese Information geklaut, kann das den wirtschaftlichen Ruin für die betroffene Firma bedeuten.
Gemäss einer Umfrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie hatte im Jahr 2010 nicht mal jedes zehnte mittelständische Unternehmen in Deutschland eine umfassende Sicherung gegen Datenklau eingerichtet. Nur etwa die Hälfte derjenigen, die Computerspionage als Bedrohnung wahrgenommen haben, haben Gegenmassnahmen ergriffen. Die KMU’s haben in den meisten Fällen keinen IT Verantwortlichen. Diese Tätigkeit gehört zum Tätigkeitsbereich des Chefs.
Dieser vernachlässigt diesen Bereich gerne. Gemäss Berthold Stoppelkamp, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Wirtschaft, entstehen deutschen Betrieben durch Datenspionage jährlich einen Schaden von mindestens 20 Milliarden Euro.

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